Information zur Klinikseelsorge

Liebe Gemeindeglieder der Matthäusgemeinde,

wir möchten Sie heute über die weitreichenden Entwicklungen in unserer Matthäusgemeinde im Hinblick auf die Klinikseelsorge informieren.

Wie Sie wissen, ist Frau Pfarrerin Frey im letzten Jahr zum 1. Juli 2020 in den Ruhestand gegangen.

Die Klinikpfarrstelle ist inzwischen mit zwei großen Veränderungen zur Wiederbesetzung ausgeschrieben. Die Stelle wurde von 75 Prozent auf 50 Prozent reduziert, zum anderen wurde die Zuordnung geändert.

Die Reduzierung der Pfarrstelle steht im Zusammenhang mit der Veränderung der Kliniklandschaft auf der Schillerhöhe. Wie Sie sicherlich aus der Tagespresse entnommen haben, wird die Klinik Schillerhöhe nach Stuttgart ans Robert-Bosch-Krankenhaus verlegt, was inzwischen teilweise im Herbst letzten

Jahres schon geschehen ist. Die Kliniken Schmieder haben ein weiteres Gebäude erstellt und bauen ihr Bettenangebot aus.

Die andere Veränderung betrifft die Zuordnung der Klinikpfarrstelle selbst. Durch Verfügung des Oberkirchenrats wird die Klinikpfarrstelle nicht mehr der Matthäusgemeinde, sondern künftig der Gesamtkirchengemeinde Gerlingen zugeordnet. Diese Entwicklung hatte sich schon Ende 2019 angedeutet, weshalb der Kirchengemeinderat frühzeitig das Gespräch mit den verantwortlichen Stellen im Oberkirchenrat gesucht hat.

Als Kirchengemeinderat halten wir diese Neuzuordnung nicht für sachgerecht und haben dies der Kirchenleitung gegenüber schriftlich wie mündlich kundgetan.

Die Klinikseelsorge gehört zu den Aufgaben der Matthäusgemeinde seit ihrer Gründung im Jahr 1965. Anfänglich war die Klinikseelsorge an der Klinik Schillerhöhe mit dem Pfarramt der Matthäusgemeinde unmittelbar verbunden. Das änderte sich in den 70er Jahren, als ein eigenständiges Klinikpfarramt geschaffen und an die Matthäuskirche angegliedert wurde. Insgesamt sechs Klinikpfarrerinnen und Klinikpfarrer waren seither an der Klinik Schillerhöhe und seit 2000 auch an den Kliniken Schmieder tätig. Die gegenseitige Zusammenarbeit war ein Geben und Nehmen, das bisherige Stelleninhaber und Stelleninhaberinnen sehr geschätzt haben.

Durch die Präsenz der Klinikpfarrer und Klinikpfarrerinnen war in der Gemeinde ein diakonischer Schwerpunkt gesetzt. So war im Kirchengemeinderat und in den Gottesdiensten, die die Klinikpfarrerinnen und Klinikpfarrer in der Matthäuskirche gestalteten, der Blick eines Klinikseelsorgers oder einen Klinikseelsorgerin eine Bereicherung für die Gemeinde. Nicht geringer war sie in anderen Bereichen der Gemeindearbeit, in denen sich die Klinikpfarrer und Klinikpfarrerinnen in der Matthäuskirche engagierten.

Umgekehrt wusste sich der Kirchengemeinderat und die ganze Gemeinde verantwortlich für die Arbeit

der Klinikseelsorge. So wurde die Arbeit der Klinikseelsorge stets großzügig finanziell und durch ehren- amtliche Mitarbeit unterstützt.

Als die Klinikpfarrstelle 1995 auf 50 Prozent gekürzt und wenig später durch den Bau der Kliniken Schmieder der Stellenumfang zunahm, war es die Matthäusgemeinde, die die nötigen finanziellen Mittel für eine Erhöhung des Deputats der Klinikpfarrstelle auf 75 Prozent zur Verfügung gestellt hat, indem sie auf Spendenbasis 25 Prozent der Stelle finanziert hat. Spenden (teilweise erhebliche Einzelspenden) von Gemeindegliedern, Zuschüsse der Stadt Gerlingen und der Gesamtkirchengemeinde haben das ermöglicht. Die Landeskirche hat in der Folgezeit dankenswerterweise nicht nur der Erweiterung der Stelle zugestimmt, sondern auch die Finanzierung nach einiger Zeit übernommen. Aber auch für alle anderen Bereiche erfuhren die Klinikseelsorger und Klinikseelsorgerinnen große verlässliche finanzielle Unterstützung.

Dabei war die Unterstützung in der Matthäusgemeinde nicht nur finanzieller Art. Zur Unterstützung wurde der Klinikausschuss unseres Kirchengemeinderats eingerichtet. Die Gottesdienstbegleitung übernahmen vornehmlich Gemeindeglieder der Matthäusgemeinde. Für den Blumenschmuck in der Kapelle der Klinik Schillerhöhe sorgten Gemeindeglieder, der Organistendienst wurde von unserem Gemeindebüro organisiert, ebenso besondere Musik von unserem Organisten. Singen auf den Stationen der Kliniken an Heiligabend wurde durch Gemeindeglieder wahrgenommen.

Die Beispiele zeigen, dass die Klinikseelsorge ein wesentlicher Teil der Matthäusgemeinde war.

Die Entscheidung der Kirchenleitung, die Klinikseelsorge jetzt der Gesamtkirchengemeinde zuzuordnen, basiert auf dem Hauptargument, dass die Zuordnung zu einer größeren Körperschaft die Krankenhauspfarrstelle nachhaltig und zukunftsorientiert mit der Gesamtkirchengemeinde und mit der Stadt Gerlingen vernetzt.

Wir hatten in der Stellungnahme unserer Gemeinde im Rahmen des Anhörungsverfahrens auf die jahrzehntelangen positiven Erfahrungen verwiesen sowie auf die Probleme, die sich mit einer Neuzuordnung zur Gesamtkirchengemeinde ergeben würden. Die Gesamtkirchengemeinde, ein Zusammenschluss der Gerlinger Kirchengemeinden ohne eigene Organisationsstruktur müsste die für die Organisation notwendigen Strukturen erst noch schaffen. In dieser erst zu schaffenden und nicht erprobten Struktur wird ein/e künftige/r Stelleninhaber/in arbeiten müssen, was unserer Auffassung nach einen erheblichen Teil der zeitlichen Kapazität und Arbeitskraft in Anspruch nimmt. Hinzu kommt, dass die weitere Entwicklung der Kliniksituation auf der Schillerhöhe derzeit im Fluss ist.

Unser Votum für einen Verbleib der Klinikseelsorge bei der Matthäusgemeinde haben wir wie folgt zusammengefasst:

„Wir sehen es daher als sinnvoll an, die erprobte Struktur unverändert zu lassen. Mit der weiteren Zuordnung der Matthäusgemeinde bleibt vor allem auch für diese eine wesentliche und wichtige diakonische Aufgabe erhalten. Dies gilt umso mehr als im Augen- blick die Umstrukturierung der Kliniklandschaft sich im Fluss befindet und belastbare Informationen für eine längerfristig tragfähige Neuordnung der Klinikseelsorge auf der Schillerhöhe ohnehin nicht vorliegen.“

Der Kirchengemeinderat bedauert zutiefst, dass er mit seinen Argumenten kein Gehör bei der Kirchenleitung finden konnte.

Wir werden uns nun mit den Konsequenzen dieser weitreichenden Verfügung befassen müssen. Zu ihnen gehört die Frage, was mit dem Pfarrhaus geschehen soll, das bisher dem/der Klinikseelsorger/ in zur Verfügung stand. Da der/die künftige Klinikseelsorger/in keine Residenzpflicht mehr haben wird, das heißt vor Ort wohnen muss, haben wir uns entschlossen, das Pfarrhaus zu vermieten.

Auch für die sonntäglichen Gottesdienste hat der Wegfall der Klinikpfarrstelle unmittelbare Auswirkungen: Als im Jahr 2001 die Gemeindepfarrstelle unserer Gemeinde auf 75 Prozent gekürzt wurde, war das Feiern von Gottesdiensten in der Matthäuskirche an jedem Sonntag und an den Feiertagen nur möglich, weil die Klinikpfarrer/innen regelmäßig Gottesdienste in der Matthäuskirche hielten. Auf Wunsch von Pfarrerin Frey haben wir die Predigtdienste in der Matthäuskirche auf einen Gottesdienst im Monat und an zwei Feiertagen als Folgegottesdienste des Klinikgottesdienstes reduziert. Mit der Neuzuordnung entfällt dieser regelmäßige Predigtdienst in der Matthäuskirche und wir werden sehen müssen, ob und wie wir die Lücke füllen können.

Letztlich ist auch eine Lücke im Gemeindeleben entstanden. Die Klinikpfarrer und Klinikpfarrerinnen haben sich häufig auch in das sonstige Gemeindeleben eingebracht, etwa indem sie aktiv an den verschiedenen Gemeindefesten in der Vorbereitung und Durchführung mitgearbeitet haben.

Über diesen weitreichenden Eingriff in unser Gemeindeleben wollten wir Sie informieren. Gerne diskutieren wir diese Entwicklung mit Ihnen. Wenden Sie sich mit Ihren Fragen und Anregungen an uns.

Für den Kirchengemeinderat der Matthäusgemeinde

Dr. Angelika Schnell-Herb

Margrit Schmid

Vorsitzende der Matthäusgemeinde