Herzlich willkommen auf unserer Internetseite

Wir laden Sie ein zu einem Rundgang durch unsere Gemeinde und hoffen, Sie können die von Ihnen gewünschten Informationen bekommen.

Dennoch kann das, was Sie hier lesen, natürlich einen persönlichen Kontakt nicht ersetzen. Deshalb seien Sie so frei und nehmen Sie mit den Vertreterinnen und Vertretern unserer Matthäusgemeinde direkt Kontakt auf. 
 
Wir freuen uns auf Sie!

Aktuelle Information

Bild zum Ewigkeits-Sonntag

Sonntag, 22. November, Ewigkeits-Sonntag

10.00 Uhr Gottesdienst mit besonderer Musik: Oliver Glückler, Gitarre und Wolfgang Schäffler, Orgel in der Matthäuskirche (Pfarrerin Schmid)

Mittwoch, 25. November

16.00 Uhr Konfirmandenunterricht

Sonntag, 29. November, 1. Advent

10.00 Uhr Gottesdienst in der Matthäuskirche (Pfarrerin Schmid)

Unsere Matthäuskirche bleibt geöffnet für Menschen, die Stille und innere Einkehr suchen – und zwar an folgenden Tagen:

sonntags von 11 bis 13 Uhr, dienstags von 16 bis 19 Uhr und donnerstags von 16 bis 19 Uhr.

Dabei bitten wir um die Beachtung folgender Regeln: 

- Derzeit dürfen nur Personen aus zwei Haushalten gleichzeitig in der Kirche sein 

- Bitte den Mindestabstand (2 Meter) einhalten.

- Bitte desinfizieren Sie Ihre Hände vor Ort und tragen Sie einen Mundschutz

Wir danken für die Einhaltung der Regeln, die unserer aller Gesundheit dienen!

In unserer Homepage finden Sie weitere Informationen! 

Auch unser neuer Gemeindebrief ist dort zu finden, er ist am Dienstag, 17.11. erschienen.

Wir bemühen uns, die Homepage immer aktuell zu halten.

Schauen Sie doch hinein und informieren Sie sich. Dort finden Sie auch einen Link zur Homepage unserer Landeskirche.

Hier die Adresse: www.matthaeuskirche.org

Aktuelle Information

Kerze zum 1. Advent

Sonntag, 29. November, 1. Advent

10.00 Uhr Gottesdienst in der Matthäuskirche (Pfarrerin Schmid)

Mittwoch, 2. Dezember

16.00 Uhr Konfirmandenunterricht

Sonntag, 6. Dezember, 2. Advent

10.00 Uhr Gottesdienst in der Matthäuskirche (Pfarrerin Schmid)

Unsere Matthäuskirche bleibt geöffnet für Menschen, die Stille und innere Einkehr suchen – und zwar an folgenden Tagen:

sonntags von 11 bis 13 Uhr, dienstags von 16 bis 19 Uhr und donnerstags von 16 bis 19 Uhr.

Dabei bitten wir um die Beachtung folgender Regeln: 

- Derzeit dürfen nur Personen aus zwei Haushalten gleichzeitig in der Kirche sein 

- Bitte den Mindestabstand (2 Meter) einhalten.

- Bitte desinfizieren Sie Ihre Hände vor Ort und tragen Sie einen Mundschutz

Wir danken für die Einhaltung der Regeln, die unserer aller Gesundheit dienen!

In unserer Homepage finden Sie weitere Informationen! 

Auch unser neuer Gemeindebrief ist dort zu finden, er ist am Dienstag, 17.11. erschienen.

Wir bemühen uns, die Homepage immer aktuell zu halten.

Schauen Sie doch hinein und informieren Sie sich. Dort finden Sie auch einen Link zur Homepage unserer Landeskirche.

Hier die Adresse: www.matthaeuskirche.org

Foto Martin Häußermann

Predigt zum Reformationsfest 2020 (diesen Text finden Sie auch unter der Rubrik "Gemeindebrief" als Drucksache)

Liebe Matthäusgemeinde, liebe Mitchristen,

die Matthäuskirche ist mir nicht fremd. Fast sämtliche Pfarrerinnen und Pfarrer, die hier seit der Einweihung der Kirche vor 55 Jahren Dienst taten und noch tun, konnte ich als Prediger erleben. Dass ich selbst einmal die Matthäus-Kanzel besteigen würde, dieser Gedanke kam mir nie. Ich freue mich, dass ich heute hier stehen darf.

Der Predigttext für diesen Sonntag steht im Matthäusevangelium Kapitel 10, die Verse 26–33. Matthäus schreibt: „Darum fürchtet euch nicht vor ihnen. Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird. Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet am hellen Tag, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet von den Dächern. Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann. Kauft man nicht zwei Sperlinge für ein paar Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle   

gezählt. Fürchtet euch also nicht. Ihr seid mehr wert als viele Sperlinge. Wer sich nun vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde ich auch vor meinem Vater im Himmel verleugnen.“

Sie werden bemerkt haben, dass dieser Text wie geschaffen ist fürs Reformationsgedenken. Es geht um Haltung, Standfestigkeit, Bekenntnis und Gottvertrauen, heute wie damals und wie bei Martin Luther vor 500 Jahren. Er richtet sich gegen alles nur Oberflächliche, Leichtfertige, gegen die vielen Spielarten angebeteter Götzen der Zeit. Es sind Verse, die einen persönlich angehen. Ein hoher Anspruch, den der Evangelist da an uns stellt.

Matthäus, Namensgeber dieser Kirche, schrieb sein Evangelium wohl ums Jahr 80, also ca. 50 Jahre nach Jesu Tod. Er wandte sich an die jüdischen Mitglieder unter den frühen Christen, einer Urgemeinde der Christenheit, wollte sie in ihrer Anfechtung stärken und zum Festhalten an ihrem Bekenntnis zu Jesus als dem Christus hinweisen. Schon diese erste Gemeinde war allerlei Angriffen ausgesetzt und geriet mit ihrem Glauben und Gottvertrauen immer wieder in Bedrängnis, vor allem durch eigene jüdische Landsleute, die am jüdischen Glauben und an jüdischen Riten festhielten. In solch schwierigen Zeiten sollen sich Christen als solche bekennen. Das ist der Kern des Predigttextes.

Auch in schwierigen Zeiten wie den unseren, in denen immer mehr Menschen der Kirche den Rücken kehren, gerade da sollten wir mutiger unsere Stimme erheben, „auf die Dächer steigen,“ hoffnungsfroh, fröhlich und ohne Furcht die biblische Botschaft weitergeben, Zeugnis geben. Das wäre die Mahnung des Evangelisten, wenn er heute unter uns wäre. Send- boten des Herrn also sollen wir sein. Auch damals nicht immer einfach. Matthäus wusste wie schwer das ist, wenn er schon die ersten Christen so nachdrücklich ermahnen musste, und wie damals sind auch wir immer unterwegs, auch im Glauben, sollten immer wieder einen Aufbruch wagen. Das ist die Botschaft dieses Tages, und vielleicht sollten wir auch mal das eine oder andere Alte loslassen, zurücklassen. Das müsste der eigene reformatorische Weg sein, auch da, wo wir immer mal wieder hinter uns zurückbleiben, wie die Erfahrung lehrt. Neu ist es also nicht, dass der Glaube immer mal wieder gefährdet ist. Von der Anfechtung des Glaubens spricht die Bibel auch an anderen Stellen, so etwa in der diesjährigen Jahreslosung aus Markus Kapitel 9, Vers 24 „Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“

Liebe Gemeinde, ganz kurz zu meiner Person. Als ehemaliger Bürgermeister von Gerlingen wurde ich bereits vorgestellt. Hier bin ich auch aufgewachsen. Meine Eltern, beide aus alten Gerlinger Familien stammend, waren Mitglied einer pietistisch geprägten evangelischen Freikirche, damals Evangelische Gemeinschaft, heute Evangelisch-Methodistische Kirche. Da bin ich hineingeboren und während meiner gesamten Jugendzeit in die Jugendarbeit eingebunden gewesen. Sonntäglicher Kirchgang und Tischgebet waren bei uns zu Hause die Regel. Inzwischen bin ich aber Mitglied unserer evangelischen Landeskirche.

Während meines Jurastudiums an den Universitäten Tübingen und Hamburg in den 1950er Jahren lernte ich bei gelegentlichen Begegnungen mit dem damals sehr bekannten Theologen Helmut Thielicke ein etwas offeneres Christentum kennen, eine größere Weite und Breite der Kirche samt einer größeren Offenheit der Kirche für die Welt. In Anlehnung an Psalm 31 konnte ich dabei spüren, dass Gott meine Füße auf weiteren Raum stellt. So habe ich das damals empfunden. Ich nahm dankbar zur Kenntnis, dass es im Hause Gottes viele Wohnungen gibt, wie man in Psalm 46 vernehmen kann, und darum auch viele Möglichkeiten, sich als Christ zu verstehen und zu leben. Helmut Thielicke, dieser wortgewaltige Prediger verstand es, eine Brücke zwischen der alten, immerwährenden biblischen Botschaft und der modernen Zeit mit ihrem uferlosen Pluralismus zu schlagen. Gott rede nicht zu Steinen und Klötzen, sondern zu jeder Zeit in lebendiger Sprache zu lebendigen Menschen p egte er in Aufnahme eines Wortes von Martin Luther öfters zu sagen. Ich weiß noch, Hörsäle und Kirchen waren stets brechend voll, wenn Thielicke predigte. Immer stand bei ihm die Predigt, das Wort im Mittelpunkt und der Zusammenhang zwischen Glauben und Handeln, zwischen Text und Leben. Er bezog den biblischen Text auf das Heute, auf uns, denn der Glaube, der sich dem Wort Gottes verdankt, sei nicht vom konkreten Leben zu trennen.

Bis heute steht Helmut Thielicke für mich auch als leuchtendes Beispiel für das zentrale und beschwörende „Fürchtet euch nicht“, das der Evangelist uns im Predigttext mehrfach zuruft. Ihr seid mehr wert als viele Sperlinge heißt es dort. Die Nazis jagten Thielicke 1936 als kompromisslosen Sprecher der Bekennenden Kirche aus dem Amt. Er erhielt Rede- und Schreibverbot. Trotzdem gab er nicht auf, behielt sein Gottvertrauen. Das traf auch andere Theologen und Schriftsteller. Künstler erhielten Mal- und Ausstellungsverbot. Mit einigen Bedeutenden hatte ich während meines Studiums viel Kontakt. Dies war eine der Weichenstellungen in meinem Leben, hin auch zur Kunst. Oft sind es solche Zufälle, manche sagen Glück dazu, die große Auswirkungen auf unseren weiteren Lebensweg haben. Ich sehe es eher als Fügung. Vielleicht kennen Sie solche Beispiele auch aus Ihrem Leben. Ich werde am Schluss noch kurz an einem Beispiel auf die Bedeutung der Kunst auch fürs Bekennen und Verkündigen zu sprechen kommen.

Heute zum Reformationstag denken wir aber in erster Linie an Martin Luther und an sein gelebtes „Fürchtet euch nicht.“ Beim Lesen von Luther-Biografien war ich immer sehr beeindruckt von seiner fast unmenschlichen Standfestigkeit. Damals in Worms im April 1521 bekannte er sich vor Kaiser und den Reichsständen zu seiner Lehre mit den Worten: „weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist“. Ein großes Wort zur Verteidigung der Gewissensfreiheit und ein äußerst mutiges „Fürchtet euch nicht.“ Und bevor er nach Worms reiste, sagte er zu seinen Weggefährten mit seiner markanten Sprachgewalt: „selbst wenn der Teufel so viele wären in Worms wie Schindeln auf den Dächern, da muss ich hin.“ „Und wenn die Welt voll Teufel wär“ heißt die dritte Strophe seines bekannten Liedes „Ein feste Burg ist unser Gott“. Dabei wusste er was dort in Worms auf ihn wartet, Gefahr für Leib und Leben. Sicher kannte er das Los des frühen Prager Reformers Jan Huss, der 100 Jahre zuvor beim Konzil in Konstanz als Ketzer verbrannt worden ist. Der katholische Theologe Hans Küng, Begründer des Weltethos, bezeichnete Martin Luther als mutigen Katholiken (er wollte die Kirche nicht spalten, nur Missstände beseitigen, reformieren), der es gewagt habe, gegen den starren Führungsanspruch der Kirche aufzutreten, unerschrocken, ohne Furcht.

Solchen Mut wegen ihres Glaubens bewiesen aber auch Menschen meiner, unserer Generation. Im Dritten Reich mussten Menschen wegen ihres Glaubens sterben. Da fällt einem gerade hier sofort der Name Dietrich Bonhoeffer ein, der Namensgeber des Platzes vor dieser Kirche. Eine gute Adresse. Bonhoeffer, wie Thielicke führender Vertreter der Bekennenden Kirche, wurde noch im April 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs hingerichtet, weil er bis zuletzt mutig die biblische Wahrheit bezeugt hatte. Das ist jetzt gerade mal 75 Jahre her. Gott sei Dank, dass wir im Gegensatz zu einigen heute noch autoritär geführten Ländern dieser Welt in unserem Land solchen Repressalien nicht ausgesetzt sind. Martin Luther bleibt ge- nauso wie Märtyrer unserer Zeit, die unerschrocken zu ihrer Überzeugung standen, leuchtendes Beispiel für das im Matthäus-Evangelium beschworene „Fürchtet euch nicht.“ Es ist gut, sich immer wieder an solche Vorbilder an Standfestigkeit und Überzeugungskraft zu erinnern, die das Evangelium nicht nur durch Worte, sondern auch durch Taten predigten. Aber wer von uns wüsste nicht, wie schwer das ist, und wie oft wir da versagen. Trotz- dem, heute zum Reformationsgedenken ist so ein Tag des Erinnerns.

Es wäre aber sicher in Luthers Sinn, wenn wir zum Gedenken an die Reformation nicht so sehr seine Person in den Mittelpunkt stellen, sondern das, was Gott durch ihn bewirkt hat. Der rebellische Augustinermönch stellte den einzelnen Christen in ein neues Verhältnis zu Gott. Ein neues Menschenbild wurde geprägt, und daraus wurde sein Beitrag zum Selbstbewusstsein des Menschen in seiner Einzigartigkeit als einem unverwechselbaren Individuum, zum Leben in der Freiheit, zu der Christus befreit.

Jeder von uns lebt in einer Art eigenem Archiv, in dem vieles gespeichert ist, was das Leben für uns bereithielt, die kleinen und großen Erlebnisse, Erinnerungen an Gutes und Schönes wie an Versagen und schuldig werden. Gerade dieses frei sein von allem, was uns Menschen bedrückt, die Freiheit aus allen Zwängen, die unser tägliches Leben oft beherrschen wollen, auch von sich selbst, leben ohne Angst, das ist diese Freiheit des Christenmenschen, die sich der Rechtfertigung verdankt, wie Martin Luther schreibt, ein angenommen sein durch Gnade und Vergebung, ohne Rücksicht auf Werke, Erfolg oder Misserfolg. Das ist der Kern der biblischen Botschaft. Wir wissen alle, dass auf dieser Welt nichts bleibt wie es ist. Das gilt nicht nur für Martin Luther und seine Zeit. Das gilt auch für unser eigenes Leben. Die Reformation lehrt uns, dass Gott uns Menschen den Geist, den Mut und die Kraft für den lebenslangen Prozess dieses Freiwerdens und Freiseins immer wieder neu schenkt. Reformation als ständige Erneuerung. Darum geht es in der Reformation Heute.

Diese Botschaft kann dazu beitragen, sich auch mal selbst und die Welt anders zu sehen. Sie kann Kraft geben für ein erfülltes, gelingendes Leben, im Grunde auch eine gewisse Souveränität und Gelassenheit gegenüber dem Alltäglichen. Davon sollte allerdings mehr in der Welt sichtbar werden.

Diese innere Freiheit muss aber auch in so schwierigen Zeiten wie gerade jetzt bei der grassierenden Corona-Pandemie Mut machen und Kraft geben Kontakt zu anderen Menschen zu halten, Begegnungen ermöglichen, wo immer es die Situation erlaubt, weil Viele, junge und alte, durch die der- zeitige Isolation, durch den Mangel an sozialen Kontakten, das Alleinsein, den Jobverlust besonders leiden. Jeder von uns kennt solche Beispiele.

„Alles wirkliche Leben ist Begegnung“, sagte der jüdische Bibelkenner Mar- tin Buber. Mit dieser Freiheit, diesem Freisein, ist Verantwortung verbunden, Verantwortung für die Schöpfung, die Umwelt, Verantwortung der Entscheidungsträger für ihr Tun und Lassen, und Verantwortung für den Nächsten. Luthers gelehrter Freund Philipp Melanchton sprach bei der Trauerfeier für Martin Luther 1546 knapp, aber eindrücklich: „Ich habe von ihm das Evangelium gelernt“, eine Botschaft, die viel Liebe in die Welt gebracht hat, eine Liebe zum Nächsten, wie sie in der vorchristlichen Zeit unvorstellbar war.

Diese Botschaft ist und bleibt zentrale Aufgabe der evangelischen Kirche und aller ihrer Mitglieder, dem Priestertum aller Getauften und Gläubigen wie Martin Luther formulierte. Dies war für mich als theologischer Laie der Grund, weshalb ich die Anfrage von Frau Pfarrerin Schmid heute zum Reformationstag die Laienpredigt zu halten, positiv beantwortet habe. Hier stehe ich, ich konnte nicht anders, denn dieses „Fürchtet euch nicht“ des Predigttextes, das gilt heute wie damals für uns alle, auch für mich. Und dieses zentrale „Fürchtet euch nicht“, das möchte ich ganz persönlich ergänzen durch ein Zitat aus dem Petrusbrief, das mir meine Großmutter als Stickbild hinterlassen hat „Ihr sollt nicht sorgen“. Ein Stück Lebenserfahrung, Lebensweisheit, obwohl sie 60 Jahre lang als Witwe leben musste, Kriegswitwe.

Noch einmal, auf die Dächer sollen wir steigen und Zeugnis geben heißt es im Predigttext, öffentlich, auf Straßen und Plätzen und natürlich auch mit allen zeitgemäßen Kommunikationsmöglichkeiten. So wie es in diesen

Tagen die Wahlkämpfer in den USA und in Stuttgart tun, und wie ich es in viel bescheidenerem Rahmen bei der Bürgermeisterwahl in Gerlingen vor fast 40 Jahren auch gemacht habe. Aber hier geht es nicht um Werbung für uns selbst, sondern um die Sache Gottes, um Haltung zu zeigen.

Kann dies, auch die persönliche Gotteserfahrung, nur über Sprache, das Wort, über Texte erfolgen? Jahrhundertelang stand in der evangelischen Kirche neben dem Wort, der Predigt, auch die Musik im Mittelpunkt, der Gemeindegesang. Schon wenige Jahre nach Luthers Rückkehr aus Worms erschien das erste evangelische Gesangbuch. Dazu erklingt bis heute ergreifende, berührende Musik in Kirchen und Konzertsälen. Dazu fällt einem vieles ein, etwa Johannes Brahms, sein Requiem. Ich habe es mir gestern Abend zu Hause angehört mit den darin enthaltenen Gedanken zu Zuversicht und Trost, im Grunde eine Ode an die Lebenden – Johann Sebastian Bach, seine Messen und Oratorien, Händels Messias, die Paulus-Vertonungen von Heinrich Schütz. Auch das kann eine Form von Gottesdienst sein. Viele empfinden das immer wieder so. Aber kann man nicht auch über bildende Kunst in die Stille eintauchen, Spiritualität und

Transzendenz erfahren? Seit dem frühen Mittelalter diente die Bibel auch als wichtige Inspirationsquelle in allen künstlerischen Bereichen. Dabei sind Kunstwerke entstanden, die einen veranlassen können, über die Bedeutung einzelner Bibelstellen neu nachzudenken, das allzu Vertraute neu zu beleuchten. Der Isenheimer Altar etwa, von Matthias Grünewald, ein Werk höchster Ausdruckskraft, wie eine Predigt in Bildern. Das haben sicher viele von Ihnen auch so erlebt und empfunden. Große Kunst kann etwas von dem vermitteln, was der Geist nur erahnt. Kunst kann dem Leben Tiefgang geben. Kunstwerke können wie eine Brücke wirken, um das Unsichtbare zu verstehen, oder vielleicht auch nur, dass wir bereit sind, Geheimnisse unangetastet stehen zu lassen, damit sie beginnen können sich zu öffnen. So ähnlich hat es der Theologe Jörg Zink formuliert. Das gilt aber nicht nur für Kunstwerke der Frömmigkeitsbewegung der Spätgotik.

Ich möchte Ihnen deshalb zum Schluss ganz kurz einen Künstler meiner Generation beispielhaft vorstellen, der mit seinem Werk die biblische Botschaft ganz überzeugend verkündigt, bis heute. Diese Arbeit steht direkt hinter mir in Form der großartigen Altarwand des verstorbenen Gerlinger Künstlers Erwin Maier-Deiss. Ich kannte ihn gut, habe ihn öfters besucht in seinem Haus drüben im Haldenweg. Bei der Konzeption dieser Wand hatte er nicht nur künstlerisch-formale Gesichtspunkte im Auge. Mit dieser Arbeit ist eine Botschaft verbunden, die Botschaft des auferstandenen Herrn. Jesus ist nicht mehr am Kreuz, nicht mehr in der Welt des Todes. Deshalb zeigt uns der Künstler den Corpus Christi nicht. Jesus ist nicht körperlich zu erkennen. Nicht der Körper ist wichtig, nicht die Person Jesu, wie er auf der Erde gelebt hat. Das ist vergangen. Wichtig ist das, was Jesus jetzt ist, seine unsichtbare Gegenwart, in seinen Wegweisungen, den Worten, die er uns hinterlassen hat, wovon die Evangelien berichten, Zeugnis geben. Jesus hat ja selbst nichts aufgeschrieben. Noch eins zeigt uns der Künstler in dieser zeitlosen Wandgestaltung. Das Kreuz, Zeichen der Hoffnung, steht auf weitem Rund, auf weitem Raum, einem die ganze Welt umspannenden Bogen, Symbol für den universalen Charakter des Evangeliums in seiner 2000-jährigen Geschichte. Diese Botschaft, Stein um Stein vom Künstler gefügt, soll alle, die diese schöne Kirche betreten, immer aufs Neue mit der Erlösungstat Jesu Christi vertraut machen. So hat Erwin-Maier-Deiss diese Botschaft verstanden und in seiner Arbeit realisiert. Künstlerisch gestaltete Verkündigung.

Liebe Gemeinde, ganz zum Schluss: Es bleibt unser Auftrag, Haltung zu zeigen, Gottes Wort zu verkündigen, im Wort, der Predigt, und es kann durch Musik und Kunst geschehen. Dabei ist es sicher nicht immer ganz einfach, die in der Bibel formulierten Gedanken in rechter Weise und zeitgemäß auszulegen und weiterzugeben. Aber wir tun es mit den Möglichkeiten, die uns Menschen gegeben sind und immer mit dem mutigen, unerschrockenen, fröhlichen „Fürchtet euch nicht.“

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.

 

Unser diesjähriger Reformationsprediger Albrecht Sellner (*1935) ist ehemaliger Bürgermeister und Ehrenbürger seiner Heimatstadt. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Tübingen, München und Hamburg zuerst kurze Zeit Strafrichter am Amtsgericht Stuttgart, danach bis 1978 Jurist in den Diensten der Landeshauptstadt Stuttgart.

Von 1965 bis 1978 Mitglied des Gerlinger Gemeinderats.

1978 zum Ersten Beigeordneten der Stadt Gerlingen gewählt und von 1983 bis 1999 zum Bürgermeister.

Über 30 Jahre Mitglied des Ludwigsburger Kreistags.

Viele Jahre im Kuratorium des Pädagogisch-Culturellen Zentrums ehemalige Synagoge Freudental mit zahlreichen Kontakten nach Israel.

Bekanntschaft mit einer Reihe bedeutender bildender Künstler.

Dadurch Anregung zur intensiven Beschäftigung mit Kunst und Kulturgeschichte und langjährige Vortragsarbeit über Kunst und Künstler in Deutschland, europäischen Städten und Israel.

Verfasser mehrerer Kunstkataloge.

Albrecht Sellner ist verheiratet, hat zwei Söhne und vier erwachsene Enkel.

Den Gottesdienst zum Reformationsfest in unserer Matthäuskirche haben wir am 1. November 2020 gefeiert. Die Plätze in Kirche und Gemeindehaus waren corona-bedingt begrenzt. Es konnten 52 Besucher teilnehmen.

Die Liturgie lag bei Pfarrerin Margrit Schmid.

Die festlich-musikalische Gestaltung besorgten Claudia Heisenberg, Violine und Wolfgang Schäffler, Orgel.

  

Hinweis

Das Gemeindebüro unserer Matthäusgemeinde ist 

wegen der Corona-Epidemie

bis auf Weiteres für Besucher und Besucherinnen geschlossen.


Erreichbar sind wir unter 

der Telefonnummer 07156/21600 

oder

der E-Mail-Anschrift buero@matthaeuskirche.org 

Wir danken für Ihr Verständnis.


REFORMATION HEUTE KANZELREDEN von 1998 bis 2017

ISBN 978-3-945369-52-4

Evangelische Matthäusgemeinde Gerlingen. Verlag der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart.

Reformation heute - Kanzelreden von 1998 bis 2017

Wir empfehlen hier unser Buch

Im Jubiläumsjahr der Reformation 2017 haben wir die zwanzig Kanzelreden in Buchform veröffentlicht, mit einem Grußwort von Prof. Dr. Berthold Leibinger, dem ersten Redner von 1998 und einem Vorwort von Prof. Dr. Siegfried Hermle, der diese Predigtreihe als damaliger Pfarrer an der Matthäuskirche initiiert hat. Die Predigt am Reformationsfest 2017 hielt Dr. Nicola Leibinger-Kammüller.

Das Buch im Format 12,5 x 19,0 cm hat 288 Seiten und kostet 14,95 Euro. Es ist über das Gemeindebüro und über die Buchhandlung ONE in Gerlingen erhältlich. ISBN 978-3-945369-52-4

Chronik der Matthäuskirche

Vor genau 15 Jahren zum Jubiläumfest „40 Jahre Matthäuskirche Gerlingen“ am 9. und 10. Juli 2005 ist eine umfangreiche Festschrift entstanden, die in einer Chronik und vielen Berichten ehemaliger Pfarrer und Gemeindeglieder die Geschichte der Matthäusgemeinde nachzeichnet.

Es ist ein überaus interessanter Blick auf die Geschichte unserer Matthäusgemeinde.

Von dieser Festschrift gibt es noch Exemplare, die wir gerne an Interessierte abgeben.

Bitte wenden Sie sich dazu an Frau Tomp im Gemeindebüro, Telefon 07156-21600 oder per Mail: buero@matthaeuskirche.org

  • Meldungen aus der Landeskirche

  • 26.11.20 | Cantico-App mit Weihnachtsliedern

    Die landeskirchliche Lieder-App Cantico hat rechtzeitig zum Beginn der Adventszeit ein inhaltliches Update erhalten. Sie enthält nun auch ein Paket mit Advents- und Weihnachtsliedern zum Mitsingen - Texte, Noten und Karaoke-Funktionen inklusive.

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  • 26.11.20 | Jahresbericht 2020 veröffentlicht

    Der Jahresbericht der Landeskirche wird traditionell am ersten Tag der Herbstsynode veröffentlicht - so auch in diesem besonderen Jahr 2020. Hier finden Sie den Jahresbericht als Download, aber sie können ihn auch in gedruckter Form bestellen.

    mehr

  • 26.11.20 | Synode als Video-Stream

    Heute beginnt die Herbsttagung der Württembergischen Evangelischen Landessynode – in einem digitalen Format. Schwerpunkt heute ist der Bischofsbericht zum Thema Diakonie. Sie können die Tagung im Livestream ab etwa 9:00 Uhr verfolgen.

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