Unsere Arbeit, unser Wirken seit 1973

Festansprachen zum 40. Jubiläum am 17. Februar 2013

Ansprache Dr. Hartmut Debler

Guten Morgen und herzlich willkommen. Ich freue mich, dass Sie unserer Einladung zu diesem Festgottesdienst gefolgt sind und danke Ihnen allen fürs Kommen. Ein besonderes Willkommen gilt unserem Bürgermeister, Herrn Brenner, er wird am Schluss auch noch zu uns sprechen.

40 Jahre Krankenpflegeverein, das ist ein guter Anlass, um einen Blick zurück zu werfen. 

Am 17. Februar 1973 hat die Matthäusgemeinde den Krankenpflegeverein Gerlinger Höhe gegründet und am 1. März nahm die neue Station für die ambulante Krankenpflege ihre Arbeit auf.

Wie kam es dazu, wie war das vor 40 Jahren?

Die ambulante Krankenversorgung in Gerlingen wurde seit Beginn des 20. Jahrhunderts von städtischen Gemeindeschwestern geleistet, die vom Diakonissenhaus Schwäbisch-Hall abgeordnet waren. Doch in der Zeit der wirtschaftlichen Erholung nach dem Krieg wurde der Nachwuchs beim Diakonissenhaus knapp, so dass die Diakonisse für die Höhe - nach ihrer Pensionierung - nicht mehr ersetzt wurde. Die Schwestern von unten mussten die Höhe mitversorgen, was aufgrund der langen Wege wohl manchmal nicht ganz so reibungslos lief. Jedenfalls kamen Bewohner hier auf die Idee, eine eigene, eine "normale" Krankenschwester bei der Matthäusgemeinde zur Versorgung der Höhe anzustellen. Und es gelang ihnen tatsächlich, den damaligen Kirchengemeinderat von dieser Idee zu überzeugen.

Pfarrer Schmid, sozusagen der Gründungspfarrer des Krankenpflegevereins, hätte uns sicher einige Geschichten dazu erzählen können. Wir hatten ihn eingeladen, aber er konnte heute leider nicht kommen, bat aber, alle ganz herzlich zu grüßen, was ich hiermit tue.

Zum Glück haben wir - wie immer - Frau Moser, damals schon Mitglied des Kirchengemeinderates. Sie kann sich auch noch gut an die Gründung erinnern, denn sie hatte damals alle Protokolle der Ratssitzungen noch fein säuberlich handschriftlich verfasst und jetzt für mich herausgesucht. Das Kernproblem, das es zu lösen galt, war natürlich: Wer trägt die Kosten? Nach vielen Gesprächen mit der Stadtverwaltung und dem städtischen Gemeinderat fand sich die Lösung: Die Stadt übernahm 50% der Kosten, die anderen 50% die Matthäusgemeinde, wobei der größte Teil hiervon wiederum von einem neuen Förderverein aufgebracht werden sollte, dem die Bewohner der Höhe beitreten sollten.

Natürlich hatte man bei den Nachbarn herumgefragt, ob es denn eine Bereitschaft dafür gäbe. Das Echo war positiv, so dass im Februar 1973 der Startschuss fiel. Im März zogen dann viele Freiwillige von Haus zu Haus, um für den neuen Verein zu werben und binnen eines Monats gab es schon über 250 Mitglieder. Damit war die Finanzierung zunächst gesichert. Aus dieser Gründungszeit stehen noch immer 41 Mitglieder mit dem Eintrittsdatum 1973 auf unserer Mitgliedsliste.

Schade, dass Herr Blumhardt heute doch nicht kommen konnte. Er ist nämlich das allererste Vereinsmitglied - und zwar mit Beitrittsdatum 1. Januar, als es den Verein formal noch gar nicht gab. Das lässt auf seine besondere Aktivität schließen, er war damals nämlich Mitglied im Sozialausschuss des Gerlinger Gemeinderates, mit dem der Kirchengemeinderat über die Finanzierung verhandeln musste.

An dieser Stelle möchte ich auch Frau Dr. Badenhausen, Frau Günther und Frau Popp besonders begrüßen. Alle drei sind bekanntlich Mitglieder des Gerlinger Gemeinderates, dazu auch Mitglied in unserem Verein und mit diesen beiden Mitgliedschaften hatten Sie sich vor Jahren schon als Werbebotschafter für den Krankenpflegeverein zur Verfügung gestellt. Danke, dass Sie gekommen sind. 

Unser Verein ist übrigens ein gutes Beispiel für bürgerliches Engagement, Herr Bürgermeister. Und auch für ökumenische Zusammenarbeit, denn die katholische Gemeinde hat die Krankenpflegestation all die Jahre mit einem namhaften Jahresbeitrag unterstützt. Denn die Pflege soll natürlich für alle Bewohner der Höhe erbracht werden. Deshalb war der Verein laut Satzung auch überkonfessionell und ist dies bis heute.

Die Arbeit der Krankenschwestern war damals breiter und vielfältiger als der heutige Pflegedienst. Frau Ziegler könnte viel davon erzählen, sie hat mehr als zwanzig Jahre bis zu ihrer Pensionierung diese aufopferungsvolle Arbeit geleistet. Sie ist heute unter uns und ist immer noch eine Stütze des Krankenpflegevereins, seit Jahren schon und ehrenamtlich. 

Lange 30 Jahre hat die Station auf der Höhe ihre Arbeit gemacht, doch über die Zeit veränderten sich die Bedingungen sehr: es gab inzwischen eine Sozialstation in Gerlingen, die Pflegeversicherung wurde eingeführt und die Versorgung wurde immer stärker professionalisiert, reglementiert und leider auch bürokratisiert. 

Über das Idealbild einer Gemeindeschwester für Krankenpflege und Fürsorge war die Zeit hinweg gegangen. Und auch die Führung einer - wenn auch kleinen - Krankenpflegestation war von einem Pfarrer - so ganz nebenbei - nicht mehr zu leisten. So wurde die Station ab 2003 der Gerlinger Sozialstation angegliedert.

Doch der Krankenpflegeverein blieb bestehen. Denn eines war unübersehbar: Bei aller Professionalisierung der Pflege entstand aus dem ökonomischen Druck notgedrungen ein Zeitdruck bei der Pflege, so dass die Fürsorge, das Gespräch mit dem Patienten zu kurz kommen muss. So sollte genau dies nun die Hauptaktivität unseres Krankenpflegevereins werden. Wir nannten dies Besuchsdienst, d.h. Hausbesuche bei Patienten und Klienten, regelmäßig, nicht nur zu runden Geburtstagen. Wir hatten großes Glück, dass Frau Projahn diesen Besuchsdienst als Mitarbeiterin des Krankenpflegevereins aufgebaut hat und wir hoffen alle - liebe Frau Projahn - dass Sie diesen Dienst noch lange weiter führen werden, unterstützt von Frau Bail. Weiterhin unterstützt von ehrenamtlich Mitarbeitenden, die ich heute auch mal namentlich nennen möchte. Es sind dies derzeit Frau Hampel, Frau Höllriegel, natürlich Frau Moser, Frau Sigmund und Frau Ziegler. Die Ehrenamtlichen übernehmen zumeist eine Besuchs-Patenschaft für eine Person. Frau Hampel wird uns nachher von dieser ihrer Tätigkeit erzählen.  

Der Besuchsdienst ist unverändert die Hauptaktivität des Vereins. Um Ihnen einen Eindruck davon zu geben, habe ich mal überschlagen, was das in Zahlen bedeutet. Pro Jahr sind das 500 bis 600 Besuche bei etwa 40 bis 50 Personen, manchmal nur für 10 Minuten, manchmal für mehr als 2 Stunden.

Dieser Besuchsdienst ist sehr persönlich, aber Immer vertraulich, für die Öffentlichkeit bleibt er unsichtbar. Öffentlich bekannt gemacht hingegen werden die wieteren Aktivitäten zur Seniorenbetreuung, die wir in den letzten Jahren zusätzlich eingeführt haben. Es sind Veranstaltungen, die man mit dem Stichwort "Anregung und Geselligkeit" umschreiben kann. Das sind

- der monatliche Spiele-Nachmittag,

- der wöchentliche Spaziergang auf der Höhe mit Frau Bross für diejenigen, die sich keine richtige Wanderung mehr zutrauen,

- der Mittagsstammtisch im Restaurant Schillerhöhe / zweimal im Monat

- und die großen Veranstaltungen des Sommer-Cafe und Advent-Cafe mit 40 - 50 Teilnehmern.

Ich hatte beim letzten Adventscafe mal gezählt: jeder vierte Gast hatte die 90 bereits überschritten. Und Sie hätten gestaunt, wie angeregt und lebhaft die Unterhaltung an den Tischen war.

Dies war ein Überblick über die eigenen Aktivitäten. Hinzufügen sollte ich noch, dass wir einen Teil unserer Beiträge an die Sozialstation weitergeben und dass unsere Mitglieder auch einen kleinen Preisnachlass bekommen, wenn sie Pflegeleistungen von dort benötigen.

Mehr zu dem möchte ich an dieser Stelle nicht sagen, dafür ist bei unserer nächsten Mitgliederversammlung am 18. April Gelegenheit. 

Jetzt möchte ich vielmehr Frau Lutz das Mikrofon überlassen. Sie wird davon erzählen, wie Krankenpflegeverein und Krankenpflegestation in ihrer Familie gewirkt haben.

Ich danke Ihnen

Ansprache von Gerda Lutz

Ja, wie war das vor vierzig Jahren, ich war noch keine dreißig, wohnte bei meinen Eltern in der Talstraße.

Alle waren gesund und fit - fanden die Idee aber gut, einen Krankenpflegeverein zu gründen. Im Hintergrund stand jedoch sicher auch der Gedanke – das ist ja was für ältere Menschen und da gehören wir noch nicht dazu.

Die Schwestern, zuerst Frau Abraham und dann Frau Ziegler, später noch Frau Beschorner, waren in das Gemeindeleben integriert und uns allen gut bekannt. 

Als dann mein Vater die ersten gesundheitlichen Probleme bekam, bestand keine Hemmschwelle, um die Hilfe der Schwestern zu bitten. 

Zuerst war es oft nur gut zu wissen, da ist jemand, da können wir uns Rat holen, da schaut mal jemand vorbei und sieht wie es uns geht. Nach einem Schlaganfall mit halbseitiger Lähmung wäre eine Pflege zu Hause ohne Mithilfe der Schwestern einfach nicht möglich gewesen. Der Krankenpflegeverein war zu der Zeit auch schon gut mit Hilfsmitteln ausgestattet. Wir konnten kurzfristig ein Krankenbett ausleihen, was die Pflege wesentlich vereinfacht hat.

Hilfsmittel sind der praktische Teil. Viel wichtiger war aber die Tatsache, dass da jeden Tag ein- oder auch zweimal ein Mensch vorbei kam, mit dem wir über alles sprechen konnten, uns und da vor allen Dingen unserer Mutter, die hauptsächlich belastet war, auch an schwierigen Tagen Mut und Zuversicht geben konnte.

Auch nach dem Tod der Vaters – das ist jetzt schon 20 Jahre her – ist der Kontakt zu den Schwestern nie abgebrochen Dies war für mich sehr beruhigend, als ich beinahe 3 Jahre die Woche über beruflich in München war. Ich wusste, wenn es Probleme gibt, weiß die Mutter, wo sie sich Hilfe holen kann. 

Und was ganz besonders schön war:  Frau Ziegler und inzwischen gehörte natürlich auch Frau Projahn zum Team, haben einfach mal bei ihr geklingelt und einen Besuch gemacht.

Die Hilfe bei der Pflege ist das eine – das Gespräch und die Zuwendung sind aber auch besonders wichtig und haben uns allen immer gut getan.

 

Ansprache von Gisela Hampel

Vor  mehreren Jahren bestand in meiner eigenen Familie die Notwendigkeit, dass meine Mutti ins Pflegeheim kam. Bei den vielen Besuchen hatte ich oft die Gelegenheit, mich ausführlich mit den Betreuern zu unterhalten. Dabei lernte ich,  dass neben der alltäglichen Pflege-Routine das persönliche Gespräch sehr wichtig ist, um neben den eigenen Problemen auch immer noch eine Verbindung zu den Ereignissen der Aussenwelt zu haben.

Nach dem Tod meiner geliebten Mutti reifte in mir einfach der Gedanke, älteren Menschen in meiner Gemeinde mit einem persönlichen Besuch etwas Abwechslung in ihr Leben zu bringen, ihnen einfach Zeit zum Sprechen, Zuhören und sonstigen Dingen zu geben. Nicht geahnt habe ich zu diesem Zeitpunkt, wie abwechslungsreich und bereichernd dies auch für mein Leben sein würde. So bin ich nun schon seit über 10 Jahren im Besuchsdienst der Matthäus-Gemeinde engagiert. Gerade in unserer hektischen und  schnelllebigen Zeit, in der sich die Angehörigen nur auf das Wesentliche beschränken können, ist das persönliche Gespräch, ist die Zuwendung, - die Zeit- so wichtig.

Es ist für mich immer wieder schön zu erleben, wie man, mit nur ein wenig zeitlichem Aufwand, doch so viel Freude bereiten kann. Obwohl ich in meinem Besuchsdienst nur einmal in der Woche für 2 Stunden bei der zu besuchenden Person bin, ist es umso erstaunlicher, wie schnell ein liebevolles und harmonisches Verhältnis entsteht. So  besteht oft auch das Bedürfnis, über die langen Lebensjahre, die gemachten Erfahrungen und  über Familienereignisse zu berichten und so lassen sich die Sorgen des Alltags doch ein wenig vergessen.

Solange die Mobilität noch vorhanden war, nutzte ich die Gelegenheit zu gemeinsamen Spaziergängen in der nahen Umgebung und bei einem Tässchen Kaffee gab es immer viel zu lachen und zu erzählen. Nicht vergessen möchte ich an dieser Stelle, mit wie viel Freude auf beiden Seiten wir die Geburtstage und Weihnachtsfeiern zu zweit erlebt haben.

Selbst dann, wenn das Sprechen und  Kommunizieren über das gesprochene Wort sehr eingeschränkt ist, habe ich feststellen dürfen, dass es noch viele andere Möglichkeiten gibt, miteinander Freude zu haben. So ist es für mich immer ein besonderes Erlebnis, begrüßt zu werden mit einem Lachen und Winken vor dem Fenster. Ein lieber Blick, eine sanfte Berührung oder eine herzliche Umarmung können oft mehr als Worte erreichen. Sicher gibt es auch Tage, wo alles nicht so einfach ist, sei es durch Krankheit oder andere Dinge, so bleibt jedoch die Hoffnung auf die nächste Woche, wo es dann mit dem vertrauten Gesicht und den vertrauten Gesten wieder besser geht. Wenn ich dann am Abend zuhause bin und über den Tag nachdenke, so habe ich dann doch immer das beglückende Gefühl, im Sinne der Nächstenliebe etwas Gutes getan zu haben.

Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle ganz besonders bei den anderen „Besuchsdienstlern“, die weit mehr tun  und  schon viel länger dabei sind. Ich freue mich immer auf unsere herzlichen Treffen, bei denen ich schon so viele Tipps und Impulse erfahren habe, nicht nur für meine kleine Tätigkeit im Besuchsdienst, sondern auch für mein eigenes Leben.

So wünsche ich mir an dieser Stelle, dass ich dies noch sehr lange ausführen kann. Nach den gemachten Erfahrungen weiß ich heute, dass es möglich ist, mit nur wenig zeitlichem Aufwand sehr viel Positives und Schönes für beide Seiten zu erreichen: es ist also ein Geben und Nehmen. Ich hoffe nun, dass ich mit meinen kurzen Ausführungen doch vielleicht bei dem einen oder anderen von Ihnen einen kleinen Impuls zum „Zeit für einander“ gegeben  habe.